B wie… Button-Pusher-Gesellschaft

Das Phänomen „Entfremdung“ ist ja sowas von in unserem Alltag angekommen. Ok, ich bin nicht der erste, der das feststellt, Adorno, Horkheimer oder Fromm waren schneller, sollte wohl wieder mehr lesen… Aber zum Thema.

Knopfdruck – klick – fertig. Die B. hat jeden Bezug zur tatsächlich geleisteten Arbeit (wörtlich gemeint, im Sinne von Watt) verloren. Klick – Essen warm. Klick – Temperatur passt. Klick – Stiefel bestellt, online, in zwei Größen. Die nicht passende wird zurück geschickt, die passende vielleicht auch. Und mit der Flatrate ist es ja egal, ob ich schlafe oder nicht. Hauptsache, ich bin online.

Nicht nur die ausgelagerte Arbeit, auch die Funktionszusammenhänge geraten immer mehr aus dem Bewußtsein. Entsprechend steigt die Anspruchshaltung. Wieso also, verdammt, ist meine online-Bestellung aus Übersee nach drei Tagen immer noch nicht da?

Für die eingesetzten Rohstoffe gilt dasselbe. Wenn’s der Bequemlichkeit und dem Markenbewusstsein (siehe auch Werbung) dient, schießen wir mit Kanonen auf Spatzen. Mich fasziniert immer wieder, wie man es hinkriegt, ein Gerät mit einer Rechenleistung, die zur Steuerung einer Mondlandung ausgereicht hätte, als Schminkspiegel zu benutzen. Und alle 1,5 Jahre auszutauschen.

Der Haken bei der Sache: Ich kann mein eigenes Verhalten hin zu mehr Nachhaltigkeit nur ändern, wenn ich mir über die Auswirkungen meines Tuns im Klaren bin. Kriege ich das nicht in meinen Schädel – Tschüß und auf Wiedersehen.

Mit zunehmender Verstädterung verlieren wir zudem das Bewusstsein für unser biologisches Umfeld. Immer wieder gerne erinnere ich mich an das Kind, dass auf einem Stadtteilfest einer Ziege begegnet: Boah Mutti, guck mal die Kuh… und was an Tieren alles NICHT mehr da ist, fällt gar nicht mehr auf.

Ich habe ehrlich Angst. Vor allem, wenn ich mir die Entfremdung vom Mitmenschen ansehe. Wieviel Zeit wird täglich für Unterhaltungsmedien verwendet? Wieviel Kommunikation geht online und in (textlich extrem begrenzten) Medien wie Facebook, SMS etc. vor sich? Gestik, Mimik, Tonfall, Berührung, gemeinsame Erfahrungen als Grundlage dafür, ein Erlebnis ähnlich zu bewerten – Fehlanzeige. Was stellt das extensive Knöpfchendrücken mit unserem Einfühlungsvermögen, unserer Geduld und Aufmerksamkeitsspanne an? Was mit unserer Fähigkeit zu Integration und Zusammenhalt, z.B. zwischen den Kulturen oder Generationen?

Ich habe eine Scheiss-Angst vor einem Alter, in dem Pflege und Ansprache per Knopfdruck abgehakt werden. Angst vor der Frage, was passiert, wenn unterhalte-mich-, ich-will-alles-sofort-und-zwar-umsonst-Gören auf eine zunehmende globale Konkurrenz und einsetzende Wanderungsbewegungen reagieren müssen. Angst davor, was passiert, wenn im Zweifel Knöpfe gedrückt werden, um ein Problem mal eben aus dem Weg zu schaffen.

In diesem Sinne ein frohes neues Jahr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.